Beziehungen in Krisenzeiten

In den letzten Wochen stand das Leben auf eine Art und Weise still, wie ich es noch nie erlebt habe. Die absolute Stille, Einkehr, erreichte mich etwa gegen Ende März, nachdem der Lockdown schon einige Tage alt war. Der Himmel war blau und klar, die Luft angenehm frisch. Die Geräusche, die ich wahrnahm, beschränkten sich auf das Singen der Vögel im Garten, Musik aus dem Radio und den unterschiedlichen Einwahltönen von Zoom, Teams & Co. Echte, analoge Gespräche fanden nur noch zwischen der Familie und engsten Freunden statt, und je länger der Lockdown andauerte, desto mehr veränderten sich meine Kundenmeetings. Crisis everywhere.

DIE KRISE WAR ÜBERALL ZU SPÜREN.

Diese diffuse Angst, die schlimmen Bilder. Schockmomente. Nebenbei die Familie und die Arbeit an unterschiedlichen Projekten, die nicht verschoben werden konnten. Es war eine Herausforderung immer am Start zu sein, nicht locker zu lassen, sondern weiterzumachen und die Arbeit erfolgreich zu beenden. Alles war machbar, auch aufgrund der langjährigen Erfahrung remote und fully digital zu arbeiten. Was jedoch kaum mehr funktionierte, war, den Kontakt zu Medienvertretern aufrecht zu erhalten. Die Redaktionsbüros waren leergefegt und es gab nur noch wenige Kontakte, die ich auch in dieser Situation telefonisch kontaktieren wollte. Empathie und Mitgefühl waren wichtiger als manche Story.

MEDIEN IN DER KRISE.

Das zentrale Anliegen einer jeden PR-Abteilung ist, über gute und gepflegte Beziehungen zu Medien und Organisationen zu verfügen. Sogar der englische Begriff – Public Relations – bedeutet wörtlich öffentliche Beziehungen. Deshalb gilt in Krisenzeiten, die Beziehungen zu überprüfen und ggf. neu zu justieren. Die PR ist verantwortlich für Beziehungen zu Medienvertretern, es ist also die Pflicht, die Beziehungen auch in einer solchen Krise aufrecht zu erhalten, doch wie? Die Corona-Krise hat die Situation in den Medien weiter verschärft: viele Journalisten befinden sich in Kurzarbeit, Auflagen sinken ins Bodenlose, Anzeigen und Budgets werden eingefroren. Wie geht es jetzt weiter?

ES WIRD NOCH MEHR IN CONTENT MARKETING INVESTIERT WERDEN MÜSSEN, LEIDER.

Wenn wie befürchtet viele Medien die Krise nicht überleben werden, braucht es verstärkt eigene Produktionen, um Unternehmensthemen abbilden zu können. Auch weil der Zugang zu Medienvertretern nun komplizierter, aufwändiger und somit auch teurer wird, braucht es Alternativen. Die Medienarbeit sollte auf keinen Fall vernachlässigt werden, aber es werden wahrscheinlich nur noch die wirklich großen und wichtigen Geschichten den Weg in die Medien finden. Die Aufgabe wird daher sein, genau zu wissen, welche Geschichten die notwendige Kraft entwickeln können, um Menschen und somit auch Medien zu bewegen. Was hilft sind Insights, Daten und das Gespür für Themen, die wichtig werden. Die Orchestrierung von Maßnahmen –  auch verteilt auf unterschiedliche Stakeholder – wird zur Hauptaufgabe von PR. Was jedoch nicht vergessen werden darf, ist, dass unsere Gesellschaft weiterhin die unabhängige Medienlandschaft braucht. Mein Gedanke daher ist, gerade jetzt Auftraggeber mit der Medienkrise zu konfrontieren und gemeinsam an Konzepten zu arbeiten, die Kollaborationsmöglichkeiten aufzeigen. Medien brauchen Anzeigen oder Umsätze durch Events, aber wenn Unternehmen derzeit keine Anzeigen schalten, auf absehbare Zeit keine Events besuchen, dann braucht es neue Ideen und Kooperationen, die für alle Beteiligten gewinnbringend sind.

KONZENTRATION AUF DAS WESENTLICHE.

Experimente sind wichtig, die Freude an neuen Tools und Techniken auch. Die PR muss sich aber gerade jetzt noch stärker darauf konzentrieren, die verbliebenen Budgets sorgsam zu verwalten. Die vorausschauende Planung, eine schnelle Umsetzung, die Analyse von Daten aus dem digitalen Ökosystem verbunden mit dem Ziel, Medien mit Geschichten zu versorgen, die für Reichweite, Erkenntnisse und Freude bei den Lesern sorgen, dies könnte dabei helfen, durch diese Krise zu kommen.

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