Für mich waren die diesjährigen Medientage eine kleine Premiere, ein Zurückkommen nach mehr als fünf Jahren. Der Wunsch, die Medientage einmal wieder in voller Länge zu besuchen, war zwar schon länger da, aber es kam immer etwas dazwischen, oder passte nicht in die Planungen. Dass das ein Versäumnis war, wurde mir in diesem Jahr erneut bewusst. Denn die Medientage sind für mich seit jeher ein Kompass, wenn es um die Medienbranche geht.
In diesem Jahr feierte der Kongress unter dem Motto „Own it“ sein 40. Jubiläum und auf einer versteckten Bildergalerie im Untergeschoss konnte man die legendären Medien-Macher und die von Medienfrauen oft kritisierten männlich besetzten Elefantenrunden bestaunen. Anfangs dominierten die öffentlich-rechtlichen Schwergewichte, die gegen die Privaten Front machten. Um die Jahrtausendwende standen sie dann gegen die Startups und anschließend gegen die GAFAs. Genau zu dieser Zeit besuchte ich zum ersten Mal die Medientage und ich stellte fest, dass es schwer war, als Newcomerin und Kommunikatorin von Medien-Startups Gehör zu finden.
Ich zählte damals auch zu denen, die das Medien-Establishment aufmischten, unter anderem auch mit der Initiative Media Women Connect, aber ich versuchte immer zu vermitteln. Das sah ich damals wie heute als meine Aufgabe an. Ich stelle mir seit vielen Jahren die Frage, was mit unserer Gesellschaft passiert, wenn wir den Technologiekonzernen die Gestaltung der Branche, die Informationshoheit, die Gatekeeper-Funktion überlassen. Und das führt mich zu der Frage, die in diesem Jahr auf den Medientagen im Mittelpunkt stand: Was ist, wenn KI-Unternehmen bestimmen, welche Informationen wichtig sind?
Die Verantwortlichen der Medientage haben in ihrem Programm hierzu wichtige Stimmen versammelt, wie Prof. Dr. Bernhard Pörksen, der zwei große Schriftsteller bemühte. Er zitierte aus Thomas Manns ‚Zauberberg‘, aus dem Kapitel ‚Die große Gereiztheit‘, und erinnerte an Henry David Thoreaus Wunsch, ein wesentliches Leben zu führen. Etwas, was viele Menschen heutzutage nicht mehr als Ziel vor Augen haben, da alles Wesentliche im Strudel der Nachrichtenschwemme untergeht.
Über das tiefe Misstrauen gegenüber KI sprach Prof. Dr. Shannon Vallor in ihrer Keynote „Bridging the AI Trust Gap“. Sie sprach von der wahren Expertise, die man nur erreichen kann, wenn man auch ohne KI bestehen kann. „You need to train expertise to lead with wisdom.“ Besonders berührt hat mich der Vortrag des deutschen Philosophen und Jesuiten Prof. Dr. Godehard Brüntrup, der auch die ausführliche Einführung zur deutschen Ausgabe der KI-Enzyklika „Magnifica humanitas“ von Papst Leo XIV geschrieben hat. Er fragte, ob wir unsere Menschlichkeit verlieren, wenn wir die KI, die oft so tut, als wäre sie menschlich, so behandeln, als wäre sie eine Sache. Er sagte in seinem virtuellen Vortrag: „Jede Entscheidung mit entscheidender Tragweite gehört in die Hände von Menschen.“ Und weiter: „Nicht die Intelligenz macht den Menschen besonders, sondern das Bewusstsein.“ Bewusstsein, so Brüntrup, hat die KI nicht.
Die 40. Auflage der Medientage war erneut ein Kompass der heimischen Medienbranche, sie war ein Weckruf, gemeinsam mit der KI neue Geschäftsmodelle zu gestalten, aber die Technologie auch kritisch zu hinterfragen. Mit diesem Kompass in der Tasche gelingt es, bei sich zu bleiben und offen für neue Entwicklungen zu sein. Ich finde, dass das Team der 40. Medientage mal wieder hervorragende Arbeit geleistet hat. Danke für drei tolle Tage!